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LeseprobenEin ganzes Jahr lang sind wir Tag und Nacht durch Kölns Gastronomien gezogen, Einen kleinen Vorgeschmack auf die neue Ausgabe der TagNacht gibt's hier.
DurstKneipe. Eine gute Kneipe ist im bestem Fall wie ein Wohnzimmer. Wohlgemerkt, kein topmodern eingerichtetes Spießer-Wohnzimmer mit Ledercouch und Kunstdrucken an den Wänden, sondern eher so wie diese dunkle Schluckbude. Der Laden ist im besten Sinne gut abgehangen, ebenso wie die Leute, die hier regelmäßig hingehen. Das gilt auch für die Gitarrensoli der Songs, die der Wirt natürlich auf Vinyl auflegt und die besonders Menschen um die 40 mit Irgendwie-Punk-Sozialisierung gut gefallen. Renoviert wurde hier glücklicherweise lange nicht mehr oder noch nie, das Kölsch kostet wenig, die mannigfachen Spirituosen bewegen sich auf ähnlichem Preisniveau. Hier kann man den Abend komplett verbringen, beginnen, ausklingen lassen oder einfach nur Zeit totschlagen. Wie schreibt Heinz Strunk noch: Alkoholismus ist der Imperialismus des kleinen Mannes. Dazu ein Schuss eigelsteinsche Milieureste, Johnny Cash auf dem Time Magazine an der Wand, ein Flipperautomat kurz vor den Toiletten. 50668 Köln, Weidengasse 87, Tel 13 63 66
L'AccentoInnenstadt. Hier am Agrippabad ändert sich höchstens die Kunst an den Wänden, ansonsten geht alles seinen behäbigen Gang in einer der Außenstellen der innerstädtischen Haut Voleé. Man sitzt an klassisch eingedeckten Tischen unter auffallend niedrigen Decken. Überhaupt ist es nicht geräumig, man tafelt dicht an dicht und bekommt so manches Gespräch mit. Die Auswahl an Gerichten ist klassisch: gradlinige, möglichst naturbelassene Küche ohne Schnörkel, dafür mit Präzision. Franco Medaina weiß, was seine Gäste erwarten, diese Form der Routine führt bei ihm aber nicht zur runtergespulten Gewohnheit, sondern greift nach der Perfektion. Die mit einer Fischfarce gefüllten Babycalamari sind immer wieder eine Wucht, allein für dieses Gericht sollte man hier regelmäßig vorbeischauen. Auch die gebratenen Jakobsmuscheln auf wunderbaren bissfesten Linsen sind von guter Qualität (Vorspeisen um 14 €). Pasta gibt es mit Vongole, selbstredend auch mit Trüffeln (26 €) oder rustikal (Pappardelle mit Wildschweinragout 13 €). Auch auf die Hauptgerichte ist Verlass, die Seezunge wird von der Patronin in Rekordzeit filetiert und auf die Teller gepackt, das große, saftige Stück Kabeljau kommt in leichter Pommerysenfsauce und Beilagen, die Maßstäbe setzen (gut blanchiertes Gemüse, aromatischer Wirsing!). Doch die leichte Gasgrillnote des Fisches wollen wir an dieser Stelle auch nicht verschweigen. Pure Zufriedenheit wieder bei den Spanferkelmedaillons in lockerer Walnusskruste (Hauptgerichte meist 24 €). Der hochsympathische Oberkellner behandelt jeden Gast gleich respektvoll, ohne sich auch nur ansatzweise anzubiedern. Die Weinpreise sind fair kalkuliert (erquickliche Weißweine um 25 €), man macht regelmäßig angenehme Entdeckungen. Zuletzt wurden wir hier mit einer Cuvée auf Chardonnaybasis aus Curtefranca (Norditalien) bei Laune gehalten. 50676 Köln, Kämmergasse 18, Tel 24 72 38
Chino LatinoSüdstadt. Der erste deutsche Ableger des -englischen Gastrokonzepts hat sich im Kölner Hafen niedergelassen. Die Küche orientiert sich vornehmend an japanischer Zubereitung, die chinesischen Einflüsse und thailändischen Ausprägungen passen hervorragend dazu. -Allein Edamame mit originellem Chili-Knoblauchöl ist ein abwechslungsreicher Snack (4 €), das Sushi bietet endlich Neues: Der sonst so schnöde Lachs wurde kurz flambiert, in einer Sesamsauce gewendet und mit grünem Thaispargel serviert, das klassische Thunfisch-Maki wurde mit einer pikanten Chilisauce tatsächlich aufgepeppt. Nigiris (u.a. mit Dorade und Wolfsbarsch) und Maki mit Lachs und Mango waren köstlich (als großer Mix für 26 €). Auch bei den Hauptgerichten gab es Überraschungen: zwar hätte die Entenbrust etwas knuspriger sein können, geschmacklich aber ist die Erdnusspanade mit Kumquats ein schönes Detail. Die Aperol-Orangensauce ist ein Hit, für 18 € wäre eine Beilage aber schön. Das Highlight ist das "Roastbeef on the rocks" (22 €), zartes Fleisch serviert auf knallheißen Steinen mit grobem Pfeffer und Meersalz. Der Wasabi-Ponzudip und die Süßkartoffelpommes. Der Service ist sehr freundlich und professionell, ein Entre-deux-mers (5,50 €/0,2l) oder Dornfelder aus der Pfalz (6 €/0,2l) wird rasant gebracht und am Tisch eingeschenkt. Im rot beleuchteten Raum sticht vor allem das riesige Seerosengemälde an der Küche hervor, lustige Bindfädenvorhänge trennen den Loungebereich vom Gastraum. Die zahlreichen weißen Lederbänke und Drehsessel mit Chromfüßen wirken vor der pompösen Rheinaussicht fast verloren. Doch Dank des dazugehörigen Art'otels (Firmengruppen!) und der fabulösen Küche wird es schnell voll. Daher sollte man unbedingt reservieren, vor allem für die schönen Plätze auf der Terrasse. 50676 Köln, Holzmarkt 4, Tel 801 039 00
KeimaksBistro, Bar. Ein wahres Kleinod im Gastrokosmos der Südstadt, das an seiner schmucken Fassade mit verschnörkelter Glasfront eher beiläufig auf den eigenen Namen hinweist. Im Inneren haben die Betreiber Kai und Max eine wohlige Mischung aus Bistro und Cocktailbar installiert, die sich optisch eher bei gastronomischen Überbleibseln und leicht schrulligem Mobiliar andient. Gerade im hinteren Raum, auf dem Weg zur Toilette, schinden die schmalen roten Kunstlederbänke Eindruck, die von kleinen Wandlämp-chen in schummriges Licht getaucht werden. Cocktails (6,50 €) werden mit Liebe zubereitet, da schmecken sogar alkoholfreie Bündnisse wie der Ipanema ausnehmend gut. Kundig ist auch die Weinauswahl, die Scheurebe Kabinett vom Weingut Reith kommt für 2,80 €/0,1l, ein Tempranillo Tierra Calar (2,60 €) macht bei den Roten glücklich. Alternativ geht natürlich auch Mühlen Kölsch (1,50 €). Die wechselnde Karte sorgt für weiteres Wohlgefühl: Irish Stew mit Lamm (7,50 €), Salat mit Pecorino (9,50 €) oder die gelungenen, kräftig abgeschmeckten Tagliarini alla Putanesca (8,50 €) sind in diesem Rahmen wirklich anstandslos zu empfehlen. Im Sommer sind die wenigen Plätze vor der Tür heiß begehrt. 50678 Köln, Kurfürstenstr. 27, Tel 31 26 70
HallmackenreutherMultifunktional. Keine Frage, wir würden sofort einziehen. Ändern müsste man nicht viel (vielleicht ein Bett auf der Empore?), weil wir ja total auf diesen ganzen 60er-Jahre-Krempel stehen, der mindestens genauso stylisch wie bequem ist und hier für ein tipptopp Flair sorgt. Wir würden uns dann jeden Abend in einen der gemütlichen Schalensessel im vorderen Teil werfen, ein Kippchen anzünden und hoffen, dass die Belegschaft uns auch in unserem neuen Dasein noch zur Verfügung stehen würde. Und während wir bei freundlichem Soul unseren Blick durch die große Glasfront über die leicht wippenden Kugelleuchten am Brüsseler Platz streifen ließen, würde der Service wie aus dem Nichts erscheinen und alle Klassiker dieses Cafés mit einem sympathischen Lächeln in petto haben. Chili (5,50 €) würden wir essen, oder ausuferndes Kartoffelgratin (8,50 €), und manchmal auch einen frisch ausgebackenen Apfelpfannkuchen (4,50 €). Und natürlich einen Milchkaffee (2,40 €) dazu trinken. Klar, das ganze Mediengedöns müsste dann aufhören, keine hin- und herflirrenden Bekanntschaften mit Wichtiggetue und keine Laptops oder andere neumodischen Kommunikationsmittel mehr auf den Tischen. So wäre das dann. 50674 Köln, Brüsseler Platz 9, Tel 51 79 70 |
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